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Mittelstandskundgebungen auf dem Schriesheimer Mathaisemarkt und dem Mannheimer Maimarkt Späth und Oettinger halten Festreden - Vorfahrt für Arbeit und Wirtschaft Mehr Begeisterung, dass Deutschland wieder nach vorne kommt |
Von Wolfgang Becker
Der ehemalige Ministerpräsident Lothar Späth und der neue Ministerpräsident Günther H. Oettinger waren die Festredner bei den traditionellen Mittelstandskundgebungen des BDS in Schriesheim und beim Mannheimer Maimarkt. Während es für den 67-jährigen Späth schon der sechste Auftritt beim Schriesheimer Mathaisemarkt war, war der neue Ministerpräsident zum ersten Mal auf einer BDS-Mittelstandskundgebung zu Gast.
Lothar Späth war 1974 der erste Festredner in der Amtszeit von Bürgermeister Peter Riehl und nun war er auch der letzte. Nach 32 Amtsjahren scheidet der Schriesheimer Bürgermeister aus dem Amt und daher wünschte er sich zum Abschluss wieder Lothar Späth als Festredner. Zum Dank für die gute Zusammenarbeit überreichte BDS-Präsidentin Dorothea Störr-Ritter Riehl eine "Cannstatter Kanne" als Abschiedsgeschenk. Und der BDS tat alles, um ihm seinen Wunsch zu erfüllen.
Späth nahm die Einladung des BDS gerne an und er betonte schon bei der Pressekonferenz vor der Kundgebung: "Es ist ja wie ein Heimspiel. Früher habe ich immer gesagt: ‚Ich bin gerne gekommen'. Heute meine ich es auch so. Ich will ja nicht mehr wiedergewählt werden. Ich kann tun und lassen was mir Spaß macht." Später im Festzelt zeigte sich, was er mit Heimspiel gemeint hat. Die Zuhörer im prallgefüllten Festzelt hören dem beliebten "Cleverle" gerne zu. Und Späth läuft zu Hochform auf. Spritzig, mit viel Witz und Charme, aber auch mit der ihm eigenen Spitzfindigkeit analysiert er die Lage der Nation. Mit dem langjährigen Abstand von der aktiven Politik nimmt er kein Blatt vor den Mund, kritisiert die Logik des politischen Handelns der Regierenden, aber auch die Einstellung der Menschen. "Es gibt leider immer noch viele Menschen, die nicht begriffen haben, dass es um die Wurst geht", sagt er verärgert.
Sein Credo: "Wir müssen wieder normal werden. Unsere Ansprüche können nicht immer weiter wachsen, wenn wir im Gegenzug bei unseren Leistungen immer weiter nachlassen". Zudem fehle es in Deutschland an Flexibilität. Und wie man flexibler wird, das wisse keiner besser als der Mittelstand. "Da sagt keiner, ich arbeite samstags nicht, wenn es Samstag Arbeit gibt", so Späth vor den begeisterten Selbständigen. Deshalb fordert er: "Es wäre wünschenswert, wenn wir auch wieder bereit wären 41 oder 42 Stunden zu arbeiten", nicht weil man es müsste und weil es nicht anders gehe, sondern "aus Begeisterung dafür, dass Deutschland wieder nach vorne kommt".
Das leuchtet den Zuhörern ein, genauso wie seine Analyse zur Globalisierung: "Gegen die Globalisierung kannst Du demonstrieren so viel Du willst, das ist der Globalisierung scheißegal". Deshalb sei es wichtig, die Chancen der Veränderungen zu nutzen, die vor allem im Dienstleistungsbereich liegen. "Genau da liegt auch die Chance des Mittelstandes", muntert Späth die Zuhörer auf. Darin sieht er auch seine Aufgabe: "ein Klima zu schaffen, in dem endlich wieder jeder etwas tun will und die Leute gerne mit anpacken".
Das ist nun auch die Aufgabe des neuen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, der die Festrede beim traditionellen politischen Frühschoppen des Kurpfälzer Mittelstandes auf dem Mannheimer Maimarkt hielt. Auch Günther Oettinger spricht deutliche Worte. Auch für ihn ist die Arbeitszeit ein wichtiges Thema für die Reform des Landes. Mehrarbeit in der Woche, aber auch im Gesamterwerbsleben hält er für zumutbar. "Die Lebenserwartung pro Generation steigt um drei Jahre. Deshalb halte ich Mehrarbeit für zumutbar", analysiert er. Deshalb seien ein Jahr Mehrarbeit und ein Jahr Weiterbildung der richtige Weg.
Die Zahl von fünf Millionen Arbeitslosen ist aus Oettingers Sicht beschämend und man dürfe sich auf keinen Fall daran gewöhnen. Der Regel "Vorfahrt für Arbeit und Wirtschaft" müsse sich in den nächsten Jahren alles unterordnen. Daran werde sich auch die Landesregierung orientieren, kündigt er an. Auch weitere Forderungen kommen bei den Besuchern im Festzelt gut an. Die Streichung der Erbschaftsteuer bei der Unternehmensnachfolge - eine langjährige Forderung des BDS, die Senkung der Lohnnebenkosten und Reformen im Arbeitsrecht sind für Ihn wichtige Reformbausteine. Ein weiteres wichtiges Thema ist für ihn auch die Betreuungssituation von Kindern. Er fordert daher den Ausbau der Ganztagsschulen, damit Mütter wieder in Arbeit kommen.
Dem können die Selbständigen im Festzelt ohne Einschränkungen zustimmen. Nun hoffen sie auf Taten.
| Die nächsten Mittelstandskundgebungen im Herbst: |
11.10.2005 17.00 Uhr |
Mittelstandskundgebung in Rot am See anlässlich der Muswiese Festredner: Günther H. Oettinger MdL, Ministerpräsident des Landes Baden- Württemberg |
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16.10.2005 10.30 Uhr |
Mittelstandspolitischer Frühschoppen auf der Herrenberger Herbstschau (Kreis Böblingen) |
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| 29.10.2005 |
Mittelstandskundgebung auf dem Schätzele-Markt in Tengen (Kreis Konstanz) |
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