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  Mittelstandskundgebung in Mannheim  

31. Frühschoppen des Kurpfälzer Mittelstand auf dem Maimarkt Mannheim
„Krisenzeiten sind Zeiten für Unternehmer“

Weniger Regelungen und die Mittelständler machen lassen, das war die Kernbotschaft von Lothar Späth beim 31. Kurpfälzer Frühschoppen auf dem Mannheimer Maimarkt. Mit seiner jahrelangen Erfahrung in der Politik und dem nun oftmals vorteilhaften Abstand dazu machte der ehemalige Ministerpräsident klar, warum Deutschland in Zeiten der Wirtschafts- und Fianzkrise auf den Mittelstand bauen sollte.

Es gibt viele Instrumente, die Unternehmen helfen sollen, die Krise zu überstehen. Eines davon ist die Kurzarbeit, die bei großen wie auch kleinen Unternehmen derzeit weit verbreitet ist. Der heutige Unternehmensberater bei Merrill Lynch hält die Kurzarbeit für ein gutes Instrument, um Mitarbeiter auch in Krisenzeiten in einem Unternehmen halten zu können. Doch er warnte auch vor Problemen, die damit auf uns zukommen könnten. Während der Kurzarbeit werden keine Sozialbeiträge bezahlt. Werden Mitarbeiter dann trotz Kurzarbeit entlassen, sind sie auf das Sozialsystem angewiesen und es sind bei geringeren Einnahmen höhere Ausgaben nötig. So kann es nach Meinung von Lothar Späth nie zu einer Senkung der Lohnnebenkosten kommen, denn nicht jeder denke so wie der Mittelstand und setze sich dafür ein, seine Belegschaft bis zum Schluss halten zu können.
 

„Ich hasse die Globalisierung“
Ihre Abneigung gegenüber der Globalisierung rief ihm eine junge Frau vor einiger Zeit auf einer Veranstaltung mit den Worten „Ich hasse die Globalisierung“ entgegen. „Dann ruf sie doch an“, habe er ihr daraufhin entgegnet, „das interessiert die doch gar nicht, die antwortet auch nicht auf E-Mails!“ Für Späth steht fest, dass sich die Globalisierung mit all ihren positiven wie negativen Aspekten nicht mehr zurück drehen lässt. Genauso wie die jetzige Krise ein Ergebnis globaler Entwicklungen sei, so seien wir als Exportweltmeister auch auf sie angewiesen. Wir in Deutschland und speziell in Baden-Württemberg bräuchten offene Grenzen für unsere Produkte. Märkte veränderten sich auch ohne Einwirkungen der Globalisierung. „Wir werden immer älter und damit verändert sich auch die Nachfrage in einem Land“, so der 71-jährige. „Ein 80-jähriger interessiert sich eben eher für Dienstleistungen wie Massagen anstatt für ein neues Auto.“ Gerade im Dienstleistungssektor sieht er großes Zukunftspotenzial. Die Unternehmen müssten auf die Nachfrageänderung richtig reagieren, sich darauf einlassen und auch mal einen neuen Weg einschlagen.
 

 

Selbst anpacken
„Man darf nicht immer den Staat alles machen lassen“, ist er überzeugt und fordert von der Politik, den Menschen mehr Freiräume zu lassen, auch jetzt bei der Bekämpfung der Krise. Denn durch Steuererhöhungen bekämpfe man seiner Meinung nach keine Krise. Die Politik solle vielmehr Rahmenbedingungen schaffen, damit die Menschen ihre eigenen Potenziale erkennen und sich selbst helfen können. Der Mittelstand hat für ihn hierbei eine Art Vorreiterposition. Viele Mittelständler, die jetzt zu kämpfen haben, setzen sich nicht nur hin und schreien nach dem Staat. „Sie packen es an, werden kreativ und lassen sich selbst etwas einfallen, wie sie ihr Unternehmen wieder fit bekommen.“ In solchen Situationen kommt für ihn das besonders gute Verhältnis zwischen Chef und Mitarbeitern in mittelständischen Betrieben zum Tragen. „Nicht nur bei Daimler, sondern auch bei vielen kleinen Unternehmen verzichten derzeit viele Mitarbeiter auf ihren Lohn. Das steht dann nur nicht gleich in der Zeitung“, so der ehemalige Jenoptik-Chef. In mittelständischen Betrieben gebe es noch unternehmerische Verantwortung und ein Vertrauensverhältnis untereinander, da sei so etwas ganz selbstverständlich.
 

Zusammenhalt wieder lernen
„Die Deutschen waren immer gut wenn sie in einer Krise steckten und wir hatten schon schlimmere Zeiten als jetzt“, so Späth. Man müsse sich nur mal wieder vor Augen führen, was Menschen beim Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg und später bei der Wiedervereinigung aus eigenen Kräften, nur durch Zusammenhalt, geleistet hätten. Die Deutschen waren immer besonders tüchtig, wenn sie in schlechten Zeiten Probleme zu lösen hatten. Deshalb dürften wir auch jetzt nicht warten, bis ein Erlöser komme und uns aus der Krise befreie, sondern selbst mit anpacken. „Wir packen die Krise und werden es überleben. Krisenzeiten sind Zeiten für Unternehmer und Leute, die Lust an der Zukunft haben“, ermuntert der Festredner seine Zuhörer zum Abschluss seiner Rede. Sein Rat an die Politik lautet, nicht immer alles von oben zu regeln, sondern die Kräfte der Leute stärken und Begeisterung fürs Gemeinsame schaffen. Menschen sollten in der Politik, wie auch im bevorstehenden Wahlkampf im Mittelpunkt stehen.
 

Verstehen Sie Spaß?
Eine nicht ganz programmgemäße Einlage erlebten die Selbstständigen im voll besetzten Festzelt des Maimarktes. Bodo Bach, Comedian im Auftrag der SWR-Sendung „Verstehen Sie Spaß“, stattete ihnen einen Besuch ab. Er lobte deren Arbeit mit den Worten „Ihr macht alle einen sehr guten Job“. Lothar Späth überreichte er aufgrund seiner Verspätung eine Uhr und stellte ihm die wohl gefährlichste Frage für einen Schwaben im Badenerland: Wird Stuttgart Meister? Entschlossen antwortete das schwäbische Cleverle mit einem „Ja“, denn sonst könne er sich ja nicht mehr nach Hause trauen.

 

 

       
 
     
 
 
       
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